Mein Sommerwind: Berührende Gedichte mit Noten

Wie kommt es, dass ein Mann, der 41 Jahre als hochrangiger Offizier bei der Bundewehr seinen Dienst geleistet hat, romantische Liebesgedichte schreibt und sie auch noch vertont? Diese Frage stellt sich zwangsläufig, wenn man das Buch „Mein Sommerwind…“ von Harald Schlieder in die Hand nimmt und darin blättert. Der Oberst a.D., der seit seiner Pensionierung im Jahr 2004 in Miltenberg lebt, ist ganz anders, als man sich einen Soldaten vorstellt. Er plaudert charmant, schwärmt von Musik, Theater und Literatur. Er gibt sich weder militärisch zackig, noch wirkt sein Äußeres martialisch. Auf den ersten Blick würde man ihn der Berufskategorie Lehrer oder Verwaltungsbeamter zuordnen.

Ehemaliger Offizier und Schöngeist

Harald Schlieder

Keine Frage, Harald Schlieder ist ein Schöngeist und vielseitig interessiert. Seit seiner Pensionierung hat er eine ganze Reihe von Büchern geschrieben, vorwiegend im Eigenverlag oder als „Book on demand“. Er hat das Leben seines Vaters und seines Großvaters aufbereitet und seine Zeit als Soldat unter dem Buchtitel „Kommando zurück“ zusammengefasst. Er hat ein Märchenbuch für Erwachsene geschrieben, Advents- und Weihnachtsgeschichten aus seiner Kindheit gesammelt und veröffentlicht. Daneben hat er sich auch näher mit seiner Heimatstadt Miltenberg befasst, den Blick von der Haagaussicht näher beleuchtet und war Co-Autor der Anthologie „Literarische Streifzüge“, die zur 775-Jahr-Feier der Stadt herausgegeben wurde. Weiterhin hat er sich auch mit gesellschaftskritischen Themen befasst, die er gebündelt und veröffentlicht hat: „So nicht! Wie sich Deutschland momentan wieder selbst ruiniert – Aktuelle Herausforderungen in unserem Lande“.

In vielen Teilen Europas zuhause
Harald Schlieder wurde zwar nicht in Miltenberg geboren, hat aber dort seine Kindheit verbracht, bevor er – bedingt durch den Beruf seines Vaters – in vielen Teilen Deutschlands und Europas zuhause war. Ende der 50er Jahre und zu Beginn der 60er Jahre eher eine Seltenheit. Der Begriff „Globalisierung“ war damals noch völlig unbekannt. Hier schließt sich der Kreis vom Schöngeist zur militärischen Laufbahn. Harald Schlieders Vater war ein hoch talentierter Musiker, Kapellmeister und Chorleiter, der in Dresden an der Hochschule für Musik studiert hatte.

Neue Heimat in Miltenberg
Wie nahezu alle Männer zur Zeit des Hitlerregimes wurde er zum Militär eingezogen und als Offizier im Russlandfeldzug eingesetzt. Nach dem Krieg hatte es Harald Schlieders Vater nach Weilbach verschlagen; dort hielt er sich zunächst mit Orgelspiel und Fahrradflicken mehr schlecht als recht über Wasser. Später lernte er das nahe gelegene Miltenberg kennen, wo er anfangs als Treuhänder und Dolmetscher bei den Amerikanern arbeitete. Es war ihm gelungen, für seine Frau und den noch ihm Krieg geborenen Sohn einen Zuzugsgenehmigung zu erhalten. Beide hatten im Februar 1945 das Bombeninferno in Dresden überlebt. 1946 baute er dann ein Häuschen in Miltenberg. Nach Gründung der Bundeswehr Mitte der 50er Jahre entschloss sich der gelernte Musiker zur Offizierslaufbahn. „Das Reisen, das Kennenlernen anderer Länder und Kulturen, das Lernen anderer Sprache, das hat mich fasziniert“, berichtet Harald Schlieder, der insgesamt sieben Fremdsprachen gelernt hat und die letzten Jahre seiner Schulzeit in Paris verbracht hat.

Die Leidenschaft fürs Reisen entdeckt
„Das wollte ich auch, das Reisen“, erklärt er seinen Entschluss, nach der Schule zur Bundeswehr zu gehen und eine Offizierslaufbahn einzuschlagen. Die Musik hat ihn aber seit jeher begleitet, denn sein Vater hatte ihm das Notenlesen und Klavierspielen beigebracht. Bis zu seiner Pensionierung hatte Harald Schlieder allerdings wenig Gelegenheit, dieses Talent zu pflegen. sommerwindsommerwind Die Idee zu dem Bildband „Mein Sommerwind…“ schwelte schon seit einigen Jahren. „Bereits 2009 hatte ich den ersten Teil des Buches fertig“, berichtet er. Die meisten Fotos stammen aus dem eigenen Garten, aber es gibt einige Bilder, die er beim Spaziergang oder bei einer Reise zu einem früheren Domizil der Schlieders in Italien mit der Linse eingefangen hat. Die Fotos sind sorgfältig ausgesucht und fangen die Stimmung auf, die in den Versen zum Ausdruck kommen. Die Leidenschaft seines Vaters, kleine Lieder zu besonderen Anlässen zu schreiben und Gedichte zu vertonen, hat Harald Schlieder erst später inspiriert, seinen Gedichten eine Musik zuzuordnen.

buchcover Mein Sommerwind

Mein Sommerwind – Gedichte, Bilder, Melodien

Harald Schlieder hat Melodien für Klavier und Sopran komponiert, die zart und warm wie ein Sommerwind klingen und eine musikalische Ergänzung zu den Liebesgedichten und Bildern sind. „Du bist ein Feld von bunten Sommerblumen/Und ich der Wind/Der in dir weht…“ lautet eines seiner kürzeren Gedichte. Passend dazu wird der Blick des Lesers auf ein Bild mit bunten Sommerblumen gelenkt. Im zweiten Teil finden sich die Noten zu den Texten, die Harald Schlieder mit dem Rat der Miltenberger Pianistin und Musikpädagogin Sylvia Ackermann optimiert und mit Hilfe eines Musiknotationsprogramms lesbar zu Papier gebracht hat. Der Bildband umfasst 14 Gedichte mit dazu passenden Fotografien und Vertonung auf rund 70 Seiten, ergänzt mit einer Inhaltsangabe, einer knappen Zusammenfassung von Harald Schlieders Vita und einer Auflistung seiner bisher veröffentlichten Werke.

Erschienen ist der Band im Shaker Media -Verlag mit der ISBN-Nummer 978-3-95631-132-1 und zum Preis von 11,90 Euro über jede Buchhandlung zu beziehen.

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Harald Schlieder am Klavier

Zur Person
Harald Schlieder wurde am 5. September 1944 in Cosel (Oberschlesien) geboren und verbrachte seine Kindheit nach Vertreibung und Flucht in Miltenberg am Main. Er besuchte zunächst das Gymnasium mit Oberrealschule in Miltenberg, wechselte dann, bedingt durch den Beruf seines Vaters als Bundeswehroffizier, an die Oberrealschule nach Oberstdorf und später an ein französisches Lyceé (Gymnasium) bei Paris, in dem er 1963 sein internationales Baccalauréat, das Abiturzeugnis, erhielt . Seine Offiziersausbildung begann er noch im selben Jahr und ging 2004 als Oberst in Pension. Im Jahr 1978 heiratete er seine Frau Bärbel. Das Paar hat zwei Töchter, Barbara und Sylvia. Seit seiner Pensionierung lebt Harald Schlieder mit seiner Frau in Miltenberg im Haus seiner Eltern, das er aufwendig saniert und renoviert hat. Seine Hobbys sind Fremdsprachen, Gartenarbeit, Klavierspielen, Lesen, Reisen und Schreiben.

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Die Siegfried-Sage pfiffig gereimt – ein Hörbuch

Das Nibelungenlied, insbesondere die Siegfriedsage, ist selbst literarisch wenig bewanderten Menschen bekannt. Das in Mittelhochdeutsch verfasste Heldenepos ist alles andere als leichte Kost und viele Schüler verbinden mit dem zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstandenen Werk quälenden Deutschunterricht.  Der Amorbacher Reinhold Grzega, ehemals Leiter des Karl-Ernst-Gymnasiums, hat den ersten Teil des Nibelungenliedes deutlich geschmeidiger gestaltet und gemeinsam mit drei ehemaligen Schülern ein Hörbuch mit dem Titel „Siegfried“ herausgegeben.

Siegfried

Siegried, eine Heldensage in Versen

Reinhold Grzega  beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Nibelungenlied.  Unter anderem  verfasste er das Büchlein „Siegfried, eine heroische Tragikomödie in  Versen“, illustriert von Mike Bauersachs, das im Jahr 2007 im Amorbacher Plexus-Verlag veröffentlicht wurde. Nun hat der ehemalige Schulleiter die Siegfriedsage in gleichermaßen verständliche und witzige Reime gefasst, die vom Kind bis zum Greis verstanden werden. Das Hörbuch „Siegfried – eine Heldensage in Reimen“ wurde im Sommer vergangenen Jahres vom Amorbacher Plexus-Verlag herausgegeben.

Es macht einfach Spaß, der in zwölf Kapitel unterteilten Geschichte zuzuhören. Hin und wieder stiehlt sich ein Lächeln in die Mundwinkel, denn die gereimten Dialoge sind einfach amüsant. Sieglinde, die  ihren Sohn Siegfried für die holde Weiblichkeit begeistern will: „Xantens Mädchen, glaube mir, sind alle ganz verrückt nach dir!“, scheitert an dessen Vorliebe für Kampfsport.  Siegfried sagt: „Ich muss trainieren, es tut mir Leid, für Mädchen hab‘ ich keine Zeit“.

Dem blutrünstigen Original wird durch Witz und originelle Formulierungen die Brutalität genommen. Vielmehr wird klar herausgearbeitet, dass es in der Geschichte um Neid, Missgunst und Rachegelüste geht und die Bösen nicht nur unsympathisch, sondern bisweilen lächerlich sind. Durch das Karikieren der Figuren und die spritzigen Reime ist das Hörbuch auch für Kinder geeignet. Besonders spannend werden sie es empfinden, wenn sie die Geschichte gemeinsam ihren Eltern hören – zum Beispiel während einer längeren Autofahrt – und dann bei einem Spaziergang im Odenwald auf den Spuren der Nibelungensage wandeln.

Als Sprecherin fungiert Ann-Kathrin Schneider aus Walldürn. Sie hat Grzegas Verse einfühlsam und ausdrucksstark interpretiert. Im Jahr 2002 legte sie ihre Reifeprüfung am KEG  ab, ist heute diplomierte Theaterpädagogin, Rezitatorin, Sängerin und Kabarettistin.  Tobias Krejtschi gehörte dem Abiturjahrgang 2002 an,  zählt als Diplom-Designer nicht nur zu den renommiertesten Kinder- und Jugendbuchautoren, sondern hat auch einen Lehrauftrag an der Kunstakademie in Hamburg. Er hat das Hörbuch künstlerisch anspruchsvoll illustriert. Neben Reinhold Grzega (von 19984 bis 1996 Schulleiter) zählt Simon Büttner zu den ältesten ehemaligen KEGlern, die das Hörbuch-Projekt realisiert haben. Er bestand 1996 sein Abitur und betätigte sich als Aufnahmeleiter und Regisseur für das Hörbuch. Er übernahm auch die musikalischen Einspielungen mit der Gitarre zwischen den einzelnen Kapiteln. Büttner hat  schon mehrere Audio- und Videoproduktionen umgesetzt, wie zum Beispiel für das Kabarettisten-Trio Matias Tretter, Claus von Wagner und Philipp Weber.

Das Hörbuch kostet 11,95 Euro und ist beim Buchhandel sowie bei der Tourist-Information in Amorbach oder direkt beim Plexus Verlag in Amorbach, ISBN 978-3-937996-37-0, erhältlich.

 

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Fesslend: Ein verhängnisvoller Winter von Daniela Frenken

Bei der Lektüre von E-Books lasse ich mich gerne auf Experimente ein und lade mir einfach mal einen Titel auf meinen Kindle-Reader, ohne vorher die Inhaltsangabe zu lesen oder den Einstieg zu überfliegen. Dabei habe ich oft ins Schwarze getroffen und fesselnde Geschichten gefunden. Der Autorin Daniela Frenken ist mit ihrem Kriminalroman Ein verhängnisvoller Winter aus der Nachkriegszeit ein Coup gelungen, der mich von der ersten Seite an fesselte. In einer schnörkellosen, fast schon schlichten Sprache gelingt es ihr, aus der Perspektive einer jungen Frau, ein Sittengemälde der Nachkriegszeit zu erstellen und dies noch in einen fesselnden Kriminalfall zu verpacken.

Als Taschenbuch kostet der Roman 7,99 €, als Kindle E-Book 2,99 €

Zum Inhalt: Die junge Josefine kommt von der Großstadt Essen an den Niederrhein, um ihre hochschwangere Cousine zu unterstützen, die einen kleinen Bauernhof bewirtschaftet. Deren Ehemann ist an den Folgen des Krieges und der Gefangenschaft gestorben. Neben der Landwirtschaft ist auch noch der Schwiegervater zu versorgen, ein grummelnder und misslauniger, kränkelnder Greis. Josefine knüpft Kontakt zu den Nachbarn und erlebt, wie eine junge Bauersfrau von ihrem ständig alkoholisierten Ehemann misshandelt. Dem Leser wird bewusst, dass es damals durchaus gesellschaftsfähig war, dass Männer ihre Ehefrauen prügelten und die Frau wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit keine Chance hatten, sich aus dem Dilemma zu befreien. Damals bedeutete die Ehe für die meisten Mädchen als erstrebenswert, weil sie selten eine Chance zur Berufsausbildung hatten und finanziell versorgt sein wollten. Im verhängnisvollen Winter am Niederrhein geschehen kurz hintereinander drei Morde, die zunächst nicht als Kapitalverbrechen erkannt werden. Ganz nebenbei entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, die aus Sicht Josefines keine Zukunft hat. Bis zum Schluss tappt der Leser im Dunkeln, um wen es sich bei dem Mörder handelt und wird auf eine falsche Spur gelenkt. Das Ende ist zugleich dramatisch und überraschend. Daumen hoch für diesen fesselnden Krimi, bei dem mir nie langweilig wurde.

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Duplizität der Ereignisse: Herzblut, der neue Kluftinger

Vor wenigen Tagen wurde an dieser Stelle die Rezension über den Debüt-Roman „Herzblut“ von David Danielveröffentlicht. Weil es so prima passte, auch gleich die Besprechung des zweiten Werks „Herzrasen“.

Ein paar Wimpernschläge danach wird ein mords Brimborium um den neuen Krimi des Autoren-Duos Michael Klüpfel/Volker Kobr veranstaltet. Dieses Werk gibt’s nur als Hardcover für stolze 19,99 Euro. Beim Kindle spart der E-Book-Leser gerade mal 2 Euro. Auch nicht gerade üppig. Die Duplizität der Ereignisse: Der neue Kluftinger-Krimi trägt den Titel „Herzblut“. Während sich bei Daniels Herzblut die Assoziation aus dem Namen des Protagonisten ergibt, ist’s beim Kluftinger Herzstechen, das ihn seit Tagen plagt.  Dazu quälen ihn eine Reihe von Mordfällen, die offensichtlich im Zusammenhang mit seiner Beobachtung stehen, die er aber nicht beweisen kann. Er war Zeuge eines Kapitalverbrechens, das mit dem Tod einer Person endet. Doch der bärbeißige Kommissar wird nicht ernst genommen und ermittelt deshalb auf eigene Faust – mit Herzblut, wie sich versteht. Wer die vorherigen „Kluftis“ gelesen hat, darf sich wieder auf gleichsam spannende wie auch unterhaltsame Lektüre freuen.

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„Herzblut“ und „Herzrasen“ von David Daniel

Krimis mit Lokalkolorit feiern derzeit fröhliche Urständ‘ und inspirieren junge Autoren oder solche, die sich zwar schon längerer Zeit der schreibenden Zunft widmen, aber bisher noch keine Kriminalromane publizierten, sondern sich als Redakteure in Zeitungsverlagen oder Medienagenturen verdingten. Ein solcher ist David Daniel, gebürtiger Münsteraner, der im Ruhrgebiet seine Jugend verbrachte, aber schon lange in Düsseldorf lebt. Dort sind auch seine beiden Kriminalromane „Herzblut“ und „Herzrasen“ angesiedelt, die sich um den Privatdeketiv Alexander Herz ranken, eine Mischung aus Philip Marlowe, Kurt Wallander und Siggi Baumeister, allerdings im Rheinland agierend.

Mit seinem Debüt-Roman „Herzblut“ dreht sich der Plot um die Emo-Szene, aber auch um die Vergangenheit des Privatdetektivs, der seine Karriere als etablierter Kunsthändler wegen Intrigen des Kriminellen Nicolas Narkov an den Nagel hängen musste. Trotz seiner humorvollen Schreibe gelingt es Daniel, den Leser in eine düstere Welt zu entführen und die Abgründe aufzuzeigen, die das Leben in sich birgt und wie niederträchtig Menschen sein können. So gibt es auch kein Happy End, sondern „Herzblut“ endet mit einer tiefen Trauer des Protagonisten, der einerseits viel Mut hat, andererseits auch sehr verletzlich ist.

In „Herzrasen“ knüpft David Daniel an seinen ersten Roman an und bringt wie in „Herzblut“ wiederum Kommissar Markus Lohmeier ins Spiel, der nach ursprünglich distanzierter Haltung zu einem Weggefährten wurde. Was zunächst wie ein leichter Auftrag anmutet, bei dem ein hoher Verdienst ohne viel Mühe zu erzielen ist, entpuppt sich im Laufe der Handlung zu einem tödlichen Machtkampf zwischen Geheimdiensten, in den der Düsseldorfer Privatdetektiv mitten hinein katapultiert wird.  Herz gerät zwischen alle Fronten und nebenbei auch noch ins Visier von Nicolas Narkov, der ihm nicht nur seine Karriere als Kunsthändler zerstört hat, sondern ihm auch noch ans Leder will. Es fließt viel Blut, und an turbulenten Szenen mangelt es nicht. Ein Roman, der als Vorlage für einen Action-Film dienen könnte. Auch hier hofft der Leser vergeblich auf einen guten Ausgang. Zwar überlebt Alexander Herz die mörderischen Auseinandersetzungen, sieht aber schon einer weiteren Tortur entgegen, die hoffentlich in einem dritten Roman aufgegriffen und verarbeitet wird.

Wer Spannung in Kombination mit Wehmut und schnoddriger Sprache liebt, dem sind die beiden Kriminalromane von David Daniel wärmstens zu empfehlen. Nachdem sie im Abstand von einem Jahr erschienen sind und der zweite Krimi „Herzrasen“ in 2012 veröffentlicht wurde, ist darauf zu hoffen, dass der nächste in diesem Jahr folgen wird.

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Was im Dunkeln bleibt – ein spannender Neapel-Krimi von Petra Krohn

Petra Krohn ist ein Geheimtipp für alle, die Krimis von Donna Leon mögen und nicht unbedingt Wert darauf legen, dass die Handlung auf Venedig fixiert ist. Petra Krohn hat sich nämlich Neapel und das Umfeld als Schauplätze für Mord und Totschlag ausgesucht. Allerdings gibt es ihre wirklich spannenden und ausgezeichnet konstruierten Mordfälle nicht in gedruckter Form, sondern nur als Kindle E-Book. Als ich mich dazu durchgerungen hatte, einen Kindle-Reader zu kaufen, habe ich zunächst einmal nur die Kindle-Editionen heruntergeladen, die es auch als Bücher gibt. Darunter meine Favoriten: Krimiautoren aus dem Norden Europas. Allerdings ist meine zuweilen bessere Hälfte und Ehegatte ein begeisterter Leser von Donna-Leon- und Andrea-Camillare-Krimis, weshalb ich auch schon ein wenig Leidenschaft für die italienischen Commissario Brunetti und Montalbano entwickelt habe.

Nachdem ich mittlerweile mit Indipendent Autoren experimentiert habe und mir einige Kindle-Editionen von Selbstvermarktern las,  habe ich erkannt, dass viele der (noch) unbekannten Krimiautoren es durchaus mit den bekannten Namen aufnehmen können. So auch Petra Krohn. Als erstes ihrer Werke habe ich mir „Was im Dunkeln bleibt“ ausgesucht. Commissario Gennaro Gentilini hat einen Wesenszug, der dem von Mankells Kurt Wallander etwas ähnelt. Ihm hat Petra Krohn die taffe deutsche Journalistin Sonja Zorn als Dame des Herzens an die Seite gepappt. Bei dem Mord an einer schönen Afrikanerin in Pompeij nimmt sie bei den Ermittlungen eine zentrale Rolle ein und trägt maßgeblich zur Aufklärung des Falles bei. Die Auflösung überrascht, denn erst ganz zum Schluss des Romans wird der Leser auf den Täter hingeführt. Ein Happy End im üblichen Sinne gibt es nicht, denn der Täter ist gleichzeitig auch Opfer. Sehr gut an Petra Krohns Krimi gefallen mir die sozialkritischen Elemente, die sie behutsam, aber dennoch klar in die Handlung einbaut. Dem Roman habe ich bei Amazon 5 Sterne gegeben. Der nächste Krimi von Petra Krohn zum Herunterladen auf den Kindle-Reader steht schon auf meiner Agenda.


Übrigens war ich ein scharfer Kritiker von E-Books, musste aber meine Meinung revidieren. Der Kindle-Reader ist ausgesprochen praktisch, wenn ich unterwegs bin. Er ist handlich und passt in jede normal große Handtasche. Wenn ich in Urlaub fahre, muss ich keinen extra Koffer für die Bücher mitschleppen, sondern nur meinen Kindle-Reader, auf dem ich so viele Bücher speichern kann, dass kein Urlaub lange genug ist, um sie alle zu lesen!



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Der Hundeflüsterer von B. C. Schiller

Für spannende Thriller bin ich immer zu haben. Da ich dem E-Book seit einiger Zeit dem gedruckten Roman den Vorzug gebe, weil es im Bett auf dem Kindle wunderbar zu lesen ist, ohne dass die Arme erlahmen, halte ich gezielt Ausschau nach Büchern der Kindle Edition. Mittlerweile habe ich die weniger bekannten Autoren entdeckt, weil die E-Books preiswert sind und wirklich spannende und gut geschriebene Storys dabei. Eine dieser Entdeckungen ist das Autorenpaar B. C. Schiller, das sich auf das Schreiben von Agententhrillern eingeschossen hat. Der „Hundeflüsterer“ ist ein von Anfang bis zum Schluss fesselnder Roman, der mit einem entsprechenden Drehbuch bestimmt einen klasse Kinofilm abgeben würde und eine echte Konkurrenz zu den James-Bond-Verfilmungen wäre. Zwar bin ich nicht der absolute Fan von Agententhrillern, aber wenn sie spannend geschrieben sind, stecke ich doch ganz gerne meine Nase rein.

B. C. Schiller, das sind Barbara und Christian Schiller, ein Ehepaar, das vom Lesen spannender Literatur zum Schreiben eigener Bücher kam. So ist es in der Amazon-Biografie zu lesen. Mir hat „Der Hundeflüsterer“ gut gefallen, denn die agierenden Personen sind gut charakterisiert, der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Wenn ein Mensch mit Hunden so kommunizieren kann, wie in dem Buch beschrieben, dann ist das genial. Aber so ganz glauben will ich es nicht. Egal, die Schauplätze sind beeindruckend und bildhaft beschrieben, und wenn es ein paar brutale Szenen gibt, sind sie noch harmlos, wenn ich Romane von  Jo Nesbo oder Arne Dahl daneben stelle. Das Ende ist anders als man sich erhofft und wirft mehr Fragen auf als beantwortet werden. Fazit: Die 99 Cent für das E-Book „Der Hundeflüsterer“ waren gut investiert.

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Ein immerwährender Adventskalender, der die Seele berührt

Advent Advent

Ein Adventskalender, der einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt und jedes Jahr zur Weihnachtszeit Freude macht, ist das Buch von Iris Schürmann-Mock „Advent, Advent – Weihnachtsbräuche in 24 Geschichten“, das sie zusammen mit ihrer Tochter Karin geschireben hat.  Es ist ein wunderschön illustriertes Buch für all jene, denen Weihnachten mehr bedeutet als üppige Speisen und möglichst viele Geschenke. Die 24 Geschichten sind sprichwörtlich märchenhaft, berühren einerseits durch bildhafte Sprache und andererseits durch Inhalte, die dem Charakter der Weihnachtszeit gerecht werden ohne ein einziges Klischee zu bedienen. Lupenrein recherchiert mit viel Wissenswertem über weihnachtliche Bräuche und mit beeindruckenden und Herz erwärmenden Illustrationen  von Helga Gebert ausgestattet vermittelt das Buch die Adventszeit in seiner authentischsten Form: Weihnachtliche Stimmung verbreitend mit einem gefühlten Duft von Tannengrün und Weihnachtsplätzchen. Es ist ein ebenso origineller wie berührender Adventskalender zum Schenken und selber schenken.

Iris Schürmann-Mock  ist auch für Lesungen zu gewinnen.  Ein Gehimtipp für die Vorweihnachtszeit statt süßlicher Musik aus den Lautsprechern zu verbreiten, eine besinnliche Stunde mit zugleich anheimelnden und informativen Texten zu verbringen. Leider ist das Buch nur noch im Antiquariat zu erhalten. Aber es gibt noch eine ganze Reihe anderer Publikationen von der Autorin, die ich als Weihnachtsgeschenk empfehlen kann.


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Was macht die Kuh im Swimmingpool?

 Das Landei Dr. Gabriele Hefele

Es sind Anekdoten und Geschichten, die Dr. Gabriele Hefele gesammelt hat, um sie in einem knapp 100 Seiten umfassenden Büchlein zu veröffentlichen. Die gelernte Journalistin lebt heute mit ihrem Mann, Pferden, Hund und anderen Lebewesen auf einer Finca in Andalusien. Deshalb handelt ein Großteil der in sich abgeschlossenen Geschichten auch in Spanien. Es geht um’s  Freud‘ und Leid des Landlebens, wobei das Augenzwinkern deutlich erkennbar ist, wenn das Leid zur Sprache kommt. Denn eigentlich – so will es scheinen – fühlt sich die Autorin als Landei pudelwohl, was sie im Vorwort deutlich zum Ausdruck bringt, indem sie schreibt, dass ein Weniger an Luxus ein Mehr an Lebensqualität bedeuten kann. Im Prinzip ist das Büchlein eine Hommage an das Landleben, wo zwar die Intimsphäre verloren geht, dafür aber echte Anteilnahme und Nachbarschaftshilfe hinzu kommen. Am besten gefallen hat mir die Geschichte von der Doppelbadewanne. Besonders der Abschnitt, wo beschrieben wird, warum sich das Planschen zu Zweit in einer normalen Badewadewanne weniger prickelnd darstellt als sich Lieschen Müller  in ihrer erotischen Fantasie vorstellt. „Einer hat immer die Armatur in der Wirbelsäule!“ erklärt Gabriele Hefele und moniert, dass sich auch kein Platz für die Champagner-Gläser findet.

Was macht die Kuh im Swimmingpool?: Freud‘ und Leid des Landlebens“ ist ein ideales Mitbringsel für frisch zugezogene Landeier und  passionierte Stadtmenschen, aber auch für Leute, die schon lange das Image des Landeis pflegen, denn sie erkennen sich  in einigen Geschichten bestimmt wieder oder haben zumindest Ähnliches erlebt. Eine ausführlichen Artikel über das Buch bei Pagewizz finden Sie hier.

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