Gute-Macht-Geschichten bereiten eher schlaflose Nächte


Gute-Macht-Geschichten

Vielen Dank dem Westend-Verlag, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Aus dem Klappentext: So werden wir durch Sprache manipuliert: Deutschland muss „fit für die Zukunft“ gemacht werden, wir müssen die „Wettbewerbsfähigkeit“ steigern, wir brauchen „Reformen“ – das ist „alternativlos“! Solche Sprüche hören wir Tag für Tag.
Mit vermeintlichen Gewissheiten wie diesen wird in Deutschland Politik gemacht. Doch was ist dran?
Stepahn Hebel und Daniel Baumann entlarven die Floskeln der Macht und übersetzen die wichtigsten Begriffe aus dem Wörterbuch der Irreführung in leicht verständlichem Klartext. Ein Begleiter für alle, die die Sprache der Macht durchschauen wollen.

Zum Inhalt

Auf 247 (mit anhängenden kurzen Anmerkungen und Quellenangaben) wird dem politisch interessierten Leser vermittelt, mit welchen Floskeln er Tag für Tag in den Medien konfrontiert wird, die deutsche Politiker im Munde führen und vermeintlich Positives in die Welt hinaustragen wollen. Von A bis Z werden Begriffe wie „Ausgabenüberschuss“, „Gutmensch“, „Reform“, „unterprivilegiert“ bis „Zinsenteignung“ detailliert definiert und analysiert werden. Ein Beispiel: Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, der politisch immer große Beachtung geschenkt wird. Politiker wie der ehemalige Bundesumweltminister Altmaier oder führende Funktionäre von Wirtschaftsverbänden betonen nahezu gebetsmühlenartig: “ Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie im Blick behalten…“, so oder in ähnlichen Formulierungen. Die beiden Autoren, Hebel und Baumann, zeigen auf, dass es hierbei immer Gewinner und Verlierer gibt, weil der Konkurrenzdruck groß ist und gerade im Exportgeschäft die Wettbewerbsfähigkeit durch die Globalisierung großen Risiken unterworfen ist. Läuft es einmal nicht so gut, dann wird oft Sozialdumping betrieben. Statt Innovationen in neue Produkte oder Dienstleistungen zu stecken, wird an der Lohnschraube gedreht, was letztlich zur Ausbeutung derer führt, die durch ihre Arbeitsleistung eine Volkswirtschaft stützen. Als Lösung sehen Hebel und Baumann gemeinsame Sozialstandards für alle Arbeitnehmer in Europa an, um den Konkurrenzdruck zu lockern und gleichzeitig Einfuhren aus Ländern, die Billiglöhne präferieren,  Zölle aufzuerlegen. Die Debatten über Freihandelsabkommen zeigen nicht in diese Richtung, wie die beiden Autoren kritisch anmerken.

Mein Fazit:

Ein Buch, das man bei der Lektüre der Tages- oder Wochenzeitung immer zur Hand haben sollte, um die Begriffe nachzuschlagen, die uns von den Politikern als positiv oder alternativlos (ha, ha) verkauft werden. Als Bettlektüre ist dieses Buch nicht zu empfehlen, denn beim Lesen werden die Synapsen aktiviert, die unruhige Gedanken entwickeln und hellwach machen. Als Unterrichtsmittel für Sozialkundelehrer sind die Gute-Macht-Geschichten besonders gut geeignet, um mit den Schülern einzelne Begriffe durchzuarbeiten (es müssen ja nicht alle sein) und sie anzuregen, sich mit der politischen Sprache auseinanderzusetzen.

Meine Bewertung: **** (4 Sterne) Die Sprache der Mächtigen

Gute-Macht-Geschichten
Daniel Baumann &
Stefan Hebel

Erschienen am 17. März 2016
im Westend-Verlag, Frankfurt
ISBN 978-3-86489-126-7
16,00 € (incl. MwSt)
16,50€ (A)

 

 

Zu den Autoren

 

Daniel Baumann

ist Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Rundschau, zuvor schrieb er für Berliner Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger und FR. Er ist Schöpfer des Arbeitsmarktindex FRAX und wurde 2014 vom Fachmagazin Wirtschaftsjournalist zu den besten jungen Wirtschaftsjournalisten des Landes gewählt.
Foto: Peter Juelich

 

Stephan Hebel

Kommentator und politischer Autor. Er schreibt für die Frankfurter Rundschau sowie für Deutschlandradio, Freitag, Publik Forum und weitere Medien. Er ist zudem regelmäßiger Gast im »Presseclub« der ARD und ständiges Mitglied in der Jury für das »Unwort des Jahres«.
Foto:  Alexander Kempf

Vielen Dank dem Westend-Verlag, der die Downloads zur Verfügung gestellt hat.

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In 30 Minuten mehr über Achtsamkeit wissen

Entspannung

Achtsam mit sich selbst umzugehen und die sinnlichen Momente genießen, hilft den Alltag zu bewältigen und nicht aus der Balance zu gleiten. Foto: pixabay

Vielen Dank dem Gabal-Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte!

“30 Minuten Achtsamkeit” aus dem Klappentext:

Gerade in Zeiten hoher Stressbelastung werden wir häufig unachtsam für die eigenen Bedürfnisse und Grenzen. Wer seine Kräfte immer wieder überschreitet oder seine

Bedürfnisse verleugnet, tut sich selbst keinen Gefallen: Die Gesundheit leidet, die Nerven liegen blank und alles, was Freude bereitet, kommt zu kurz. Dörthe Huth zeigt Ihnen in diesem fundierten und praxisnahen Ratgeber, wie Sie mit Achtsamkeit für sich selbst Verantwortung übernehmen und gut für sich sorgen. Erfahren Sie in 30 Minuten, wie Sie Achtsamkeit in Ihren Alltag integrieren, Ihr Wohlbefinden und den Kontakt zu anderen Menschen verbessern sowie zunehmend Souveränität gewinnen.

Zum Inhalt
Auf 92 Seiten werden in gut strukturierter Form Tipps und Beispiele erörtert, wie es gelingen kann, sich nicht vom Stress des Alltags in die Zange nehmen zu lassen. Es geht darum, ein Bewusstsein für den gegenwärtigen Moment zu entwickeln und die Mücken im Kopf mit unzähligen Vorhaben und Aufgaben zum Schweigen zu bringen. Kurz zusammengefasst: Das achtsame Erleben sinnlicher Augenblicke in den Vordergrund zu rücken, um daraus Kraft zu gewinnen und Gelassenheit zu üben.

Mein Fazit
Ds Büchlein gibt in der Tat durch seine klare Struktur mit dem Hervorheben der wichtigsten Punkte innerhalb 30 Minuten wertvolle Informationen, wie der Alltag mit bewusstem Erleben sinnlicher Eindrücke Inseln der Ruhe beschert. Wenn man die Wertschätzung des Bewusstseins ernst nimmt und automatisierten Abläufen eine Absage erteilt, sollte dies auch für Leute möglich sein, die Hummeln im Popo haben. Es geht auch darum, Gefühle anzunehmen, egal ob negativ oder positiv und zu lernen, damit umzugehen. Ich gebe zu: Das muss ich noch intensiv üben, denn meine italienische Urgroßmutter hat mir viel Temperament in die Wiege gelegt, was oft zu impulsiven Reaktionen führt. Genauso muss ich lernen, Situationen und Menschen nicht sofort zu bewerten, sondern ihnen mit Gleichmut zu begegnen und sozusagen als neutraler Beobachter gegenüber zu stehen. Dörthe Huth rät, den „inneren Beobachter“ in uns zu aktivieren, quasi in Kontakt mit sich selbst zu treten.

 

Meine Bewertung: ***** (5 Sterne)

30 Minuten Achtsamkeit

von Dörthe Huth,
GABAL-Verlag 2016,  Softback 96 Seiten.
ISBN: 978-3-86936-708-8,
€ 8,90 (D) | € 9,20 (A)

 

 

 

Dörthe Huth

Zur Autorin:

Dörthe Huth (1968) lädt mit ihren Büchern, Seminaren und Coachings zum Loslassen,Querdenken und Neudefinieren ein. Sie hat ein Studium der Germanistik, Psychologie und Computerlinguistik absolviert und verschiedene Weiterbildungen durchlaufen. Heute ist sie als Autorin, Coach und Heilpraktikerin (Psychotherapie) tätig und lebt mit ihrer Familie in Dorsten. Sie ist Mitglied im Verband freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker (Psychotherapie) und Psychologischer Berater e.V. (VfP) sowie im Verband deutscher Schriftsteller VS ver.di. Die Website der Autorin: http://www.doerthe-huth.de

Bildquelle: Homepage von Dörthe Huth

 

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Leselaub- der Schreibtisch im Spessart

Herausgeber: Sabine Fiedler-Conradi

LeselaubZum Inhalt:
Leselaub versammelt Geschichten und Gedichten von 15 schreibenden Menschen quer durch den Spessart, so anregend wie ein Spaziergang durch den bunten Mischwald: zum Staunen, Schmunzeln und Träumen ebenso wie zum Entdecken, Innehalten und Wiedererkennen.

 

Vielen Dank, Frau Fiedler-Conradi vom Miraba-Verlag, dass Sie mir das Buch als Lese-Exemplar zur Verfügung gestellt haben!


 

Vergnügliches Entblättern

Nachdem ich bereits die Entdeckungen im Spessart (30 Spessarträtsel) von Sabine Fiedler-Conradi gelesen und rezensiert habe, war ich sehr gespannt auf ihr neues Buch, das sie in einer Anthologie herausgegeben hat. Ich wurde nicht enttäuscht, denn es hat mir genauso gut gefallen wie die Spessarträtsel. Die Geschichten sind so unterschiedlich und bunt wie der Spessart, wo sich Landschaften und Ansiedlungen ganz unterschiedlich darstellen: Im hohen Spessart sieht es ganz anderes aus als beispielsweise im hessischen Zipfel rund um Bad Orb oder im Gebiet am Untermain.

Gedichte und Geschichten wechseln sich ab, mit viel Sorgfalt und Gespür zu einem Band mit vier thematischen Schwerpunkten zusammengestellt:

  • Vom Entdecken und Staunen
  • Vom Miteinander und Gegeneinander
  • Vom Erinnern und Innehalten
  • Von Träumen und Albträumen

Die eingestreuten Gedichte, zum Teil in Mundart verfasst, tragen zur Auflockerung und bunten Mischung bei. Die grafischen Elemente (Blattsilhouetten von verschiedenen Laubsorten), zwischen die Texte eingestreut, sorgen für eine freundliche und gediegene Anmutung. Sie schmeicheln dem Auge.

Da es sich um insgesamt 15 Autoren handelt, darf der Leser (die Leserin) in unterschiedlichen Metiers schwelgen. Es geht mystisch-romantisch, manchmal witzig, aber  zuweilen auch melancholisch und nachdenklich zu. So sind die Beiträge zu Schneewittchen, einer Märchenfigur der Gebrüder Grimm, die zum Markenzeichen der Spessartstadt Lohr geworden ist, aus unterschiedlicher Sichtweise (einmal historisch, ein andermal satirisch) beleuchtet. Hier sei angemerkt, dass das geplante Kunstwerk für die Außendarstellung von Lohr, eine Skulptur als Schneewittchen-Symbol in jüngster Vergangenheit zu heftigsten Diskussionen geführt hat.

Eine Geschichte habe ich herausgegriffen, die mir (als Frau) besonders gut gefallen hat,  und beim Bücherportal LovelyBooks etwas näher beleuchtet: „Schneewittchen und die Firma“.


 

Meine Bewertung **** (4 Sterne)
(1 Sterne-Abzug für das etwas sperrige Format,
das die Seiten immer wieder zuklappen lässt).

Leselaub 
Erscheinungsdatum: 18.11.2015
Taschenbuch, 180 Seiten
Miraba-Verlag
ISBN: 9783981702415

14,90 €


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„Freedom’s Child“ von Jax Miller geht unter die Haut

freedoms childÜber das Buch
(Verlagsinformation)

Niemand weiß, dass sie noch lebt. Nicht mal ihre Kinder. Doch die sind nun in höchster Gefahr.
Sie raucht, sie flucht, sie trinkt. Und lässt sich von niemandem was sagen. Jeder in der Stadt schätzt – oder fürchtet – Freedom Oliver. Keiner kennt ihren wahren Namen, ihr altes Leben: ausgelöscht. Das Leben, in dem sie ihren Mann erschoss, den Schwager ans Messer lieferte und ihre Kinder verlor. Das Leben, das sie für das Zeugenschutzprogramm hinter sich ließ. Nur spät in der Nacht verfolgt Freedom per Facebook, wie Mason und Rebekah erwachsen werden.
Und dann kommt der Tag. Der Tag, an dem ihre Feinde Rache schwören. An dem Rebekah verschwindet. Und Freedom weiß: Sie kann sich nicht länger verstecken, sie muss handeln …
Eine Heldin wie keine. Eine Geschichte von Liebe, Rache, Schuld und Tod.


„Freedom’s Child“ habe ich vom Rowohlt-Verlag als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank!


Spannend und typisch amerikanisch

Fast jedes Kapitel beginnt mit dem Satz: Mein Name ist Freedom, und…Dieser Name ist die zweite Identität der Protagonistin und der Schlüssel zu den dramatischen Geschehnissen, die sich im Lauf der Geschichte entwickeln. Freedom Oliver, eigentlich Nessa Delaney, ist eine Powerfrau, die sich nicht unterkriegen lässt, aber dennoch verletzlich und sensibel ist. Sie vermisst ihre Kinder, die sie seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat, weil sie des Mordes an ihrem brutalen Ehemann angeklagt wurde und sich dafür entschieden hatte, dem kleinen Sohn und der im Gefängnis geborenen Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen.

Dass dieses Leben nicht unbedingt das Beste war, stellt sich erst in der zweiten Hälfte des Thrillers heraus. Ohne Zweifel, das Buch ist enorm spannend geschrieben und beleuchtet viele Missstände mit kritischem Blick: Korruption in Legislative, Exekutive und Judikative, häusliche Gewalt, Drogenhandel, wildwuchernde Sektentätigkeit, Kindesmissbrauch und Unterdrückung von Minderheiten. Dabei kommt mir die Schlüsselfigur zuweilen wie ein weiblicher Clint Eastwood in den meisten seiner Filme vor: mutig, verfolgt, verprügelt, fast am Ende – aber dank Durchhaltevermögen, Clever- und Coolness wie ein Stehaufmännchen doch noch gut davon gekommen. Typisch amerikanisch eben: Das Gute siegt über das Böse, zwischendurch Actionszenen, die einem das Blut in den Adern gefrieren und einige Leichen auf dem Weg liegen lassen. Als dritter Handlungsstrang neben der eigentlichen Geschichte und dem Rückblick in die Vergangenheit gesellt sich  noch eine zarte Liebesgeschichte.

Zur Autorin

Jax Miller

Der eigentliche Name von Max Miller ist Aine O’Domhnaill. Die New Yorkerin ist gerade mal 28 Jahre alt und hat – wie ihr Nachname schon aussagt – irische Wurzeln.

 Fazit:

Wer amerikanische Thriller im Stil von Karin Slaughter oder Tess Gerritsen mit viel Blut und Gewaltszenen mag, ist mit Freedom’s Child gut bedient. Allerdings schießt Jax Miller ab und an über das Ziel der Glaubwürdigkeit hinaus, wenn sie ihre eben gerade noch halbtote Heldin in Nullkommanix wieder zur kraftvollen Kämpferin auferstehen lässt, die sich mit Körpereinsatz und Köpfchen gegen die Bösen um sie herum wehrt und sie niedermetzelt. Aber alles in allem: sehr spannend geschrieben, mit kritischen Untertönen und mit einem Fast-Happy-End.

Meine Bewertung: ***/*-  (3 1/2 Sterne)

Jax Miller 
Freedom’s Child 

erschienen im Rowohlt Verlag
ISBN: 13: 978-3499269752
368 Seiten

broschiert 14,99 €
als Hörbuch und Kindle E-Book 12,99 €


 

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Rezension „Entdeckungen im Spessart – Dreißig Rätsel…“ – Wo Schneewittchen und Tucholsky sich begegnen

Spessart

Das Wasserschloss in Mespelbrunn ist das wohl bekannteste Spessartmotiv. Foto: Karin Lissi/pixabay.com

Aus dem Klappentext: „Den Spessart mal anders kennenlernen. Dreißig hintergründig illustrierte Rätsel tauchen vertraute Orte, Ereignisse, Mythen, Landschaften und Persönlichkeiten in ungewohntes Licht. Das besondere Zusammenspiel von Text und Bild hält für jene, die sich im Spessart auskennen, überraschende Blickwinkel bereit. Andere wiederum mögen sich zu neuen Entdeckungen verführt fühlen…“

Eine Entdeckungsreise der spannenden Art
Durch eine Lesung in Miltenberg wurde ich auf das Buch von Sabine-Fiedler Conradi aufmerksam, das ursprünglich eigentlich gar kein Buch werden sollte. Es enthält 30 Rätsel über den Spessart, wobei es eigentlich um spannende Geschichten mit historischem Hintergrund geht, die in ein Rätsel münden. Wer den Spessart nicht kennt und sein Wissen über das deutsche Mittelgebirge lediglich aus dem Kinofilm „Das Wirtshaus im Spessart“ schöpft, fühlt sich beim Lesen der 30 Rätsel animiert, selbst einmal auf Entdeckungsreise zu gehen, auf den Spuren von Schneewittchen und Kurt Tucholsky zu wandeln. Es sind interessante Informationen, unterhaltsam verpackt und mit einem kleinen Augenzwinkern versehen, die in den 30 Rätseln enthalten sind. Die Auflösung findet sich im Anhang – auf den Kopf gestellt. Der Leser, bzw. die Leserin, muss das Buch erst umdrehen, um die Entschlüsselung der Rätsel zu finden.

Nicht nur für Geschichtsinteressierte eine spannende Lektüre
Ergänzt durch beeindruckende Illustrationen von Horst Noll und zusätzliche Fotos in den Auflösungen ist dieses gut 70 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Entdeckungen im Spessart – Dreißig Rätsel, nicht nur für Einheimische“ eine richtig spannende Lektüre, die man immer wieder in die Hand nehmen, darin lesen, die Illustrationen und Fotos betrachten kann. Es bietet zudem einen Einblick in die Kultur und Landschaft, die sich über die Landkreise Main-Kinzig, Aschaffenburg, Miltenberg und Main-Spessart erstreckt und durch die sich der Main mit seinen Nebenflüssen schlängelt. Weiterhin zeigen die Texte auf, dass es sehr bereichernd und spannend sein kann, fernab der Tourismuszentren auf Entdeckungsreise zu gehen und zur Erkenntnis zu gelangen, wie viele schöne Ecken unsere Republik zu bieten hat. Für den fünften Stern fehlt mir die Handlichkeit des Buches, dessen Seiten man quasi gewaltsam umknicken muss, damit sie nicht wieder zuklappen. Aber ansonsten: sehr schön und eine echte Empfehlung!

Meine Bewertung **** (4 Sterne)

Sabine Fiedler-ConradiSpessatraetsel
Entdeckungen im Spessart –
Dreißig Rätsel, nicht nur für Einheimische
mit einem Vorwort von Christian Conradi
und Illustrationen von Horst Noll

72 Seiten
12,90 €
Miraba-Verlag
ISBN 978-3-9817024-0-8

 

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Haifischbecken Büro: „Das ’stille‘? Örtchen“ von Elisabeth G. Schmidt

opening-218074_640Die Protagonistin Lisa Meierfeld arbeitet als Sekretärin in einer von vielen Abteilungen einer großen Firma. Sie hat es mit einer ganzen Reihe von Kolleginnen, Kollegen und Chefs zu tun, die nett oder weniger nett, zuweilen sogar unausstehlich und widerlich sind. Eines Tages wird sie – nicht ohne eigene Schuld – einen ganzen Vormittag auf dem „stillen Örtchen“ im Bürogebäude festgehalten und lauscht unfreiwillig den Gesprächen, die sich im Vorraum entspinnen.

Witzig und tragisch zugleich
Das E-Book ist locker und witzig geschrieben. Die Charaktere der einzelnen Personen sind sehr gut herausgearbeitet, so dass sich der Leser Trixie, Julia, Brummi, Martha & Co,. gut vorstellen kann. Kleidung, Körperhaltung, Frisur und Wesenszüge beschreibt die Autorin sehr detailgenau. Die Situation, die in dem Plot dargestellt wird, hat Lisa Meierfeld im Prinzip selbst herbeigeführt. Eigentlich wollte sie nur kurz die Damentoilette in ihrem Betrieb aufsuchen. Doch kaum hat sie den frühmorgendlichen Kaffee als Stoffwechselendprodukt ausgeschieden, hört sie einer Unterhaltung zwischen zwei Kolleginnen im Vorraum zu, bei der die eine die andere um Verschwiegenheit bietet. So wartet Lisa ab und hofft, dass sie nach dem Verlassen der beiden Kolleginnen ungesehen aus ihrem unfreiwilligen Gefängnis schlüpfen kann. Doch weit gefehlt! Die Damen des Büros geben sich quasi die Klinke des stillen Örtchens in die Hand und tauschen Intimes, aber auch Liederliches und Widerliches aus.

Flott geschrieben und realitätsnah
In dem Buch wird eine Situation beschrieben, wie sie täglich in den Büros mittelständischer Firmen vorkommen könnte. Zumindest die zwischenmenschlichen Entgleisungen tragen sich Tag für Tag unter Kollegen und Kolleginnen zu. Was die Chefs und ihre vermeintliche Vorbildfunktion angeht, ist es in dem Buch nicht anders als in der Realität, wo es bisweilen sogar schlimmer zugeht. Die Handlung ist realitätsnah, das Buch ist flott geschrieben und liest sich schnell, weil man wissen möchte, ob Lisa Meierfeld nun endlich aus dem stillen Örtchen herauskommt und welche Folgen ihr langes Fernbleiben vom Arbeitsplatz hat.

Das Ende ist etwas abrupt, der Spannungsfaden reißt dadurch ab, weshalb ich für „Ein stilles Örtchen“ nur 4 Sterne geben kann. Aber die Idee zu der Geschichte ist super, und der Schreibstil gefällt mir gut. Als unterhaltsame Lektüre vor dem Schlafengehen oder zum Lesen zwischendurch absolut zu empfehlen.

Ein stilles Örtchen von Elisabeth G. Schmidt
Kindle E-Book

4.99 €

Meine Bewertung ****

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Callie Santas Geschichte von der ersten bis letzten Seite spannend

The Callies Santas Chronicles

The Callies Santas Chronicles von Jennifer Heine

Das nahezu druckfrische Buch „The Callie Santas Chronicles – Alphablut“ von Jennifer Heine habe ich nahezu in einem Rutsch gelesen. Es ist  im Fantasy-Genre angesiedelt, aber dennoch völlig anders. Es ist romantisch und aufwühlend, ohne Allgemeinplätze und ohne Friede-Freude-Eierkuchen-Schmalz, sogar richtig sexy, aber nur mit prickelnden Ansätzen, ohne aufs Ganze zu gehen.

Kultur und Mystik der Indianer
Der englische Titel ist auf den Inhalt zugeschnitten, denn die Geschichte ist in den Vereinigten Staaten von Amerika angesiedelt und hat durchaus Tiefgang, zumal es sich um Einblicke in die Kultur und Mystik der US-amerikanischen Urbevölkerung handelt.

Dramatische Liebesgeschichte
The Callie Santas Cronicles ist ein Teenager-Roman, der auch älteren Leserinnen gefallen wird. Bei der Protagonistin handelt es sich um eine 17-jährige College-Schülerin, die mit ihren Eltern von der Großstadt Denver aufs Land zieht und dort eine neue Schule besucht. Doch mit dieser Schule hat es etwas Besonderes auf sich. Es entspannt sich eine dramatische Liebesgeschichte, die jedes Mädchenherz höher hüpfen lässt, aber keineswegs kitschig ist.

Von der ersten bis letzten Seite ist Spannung angesagt. Der Autorin gelingt es, die Leser in Atem zu halten und neugierig auf das weitere Geschehen zu machen. Die in der Geschichte handelnden Personen sind so lebendig beschrieben, dass sie vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen und so das oft zitierte „Kopfkino“ entsteht.

Die Autorin:

jennifer_heine_rgb_1024pxJennifer Heine wurde im November 1987 in Leverkusen geboren. Schon seit ihrer frühesten Kindheit gehören Bücher zu ihrem Leben. Mittlerweile ist sie stolze Besitzerin von circa 800 Büchern (eBooks & gedruckte Formate).

Die Liebe zum Buch und zur Schrift brachten sie schon früh zum Schreiben. Angefangen hat alles bei der Schülerzeitung, für die sie viereinhalb Jahre mehrere Gedichte (zeitgenössische Lyrik) verfasste.

Nach der Schule entschied sie sich, eine Ausbildung zur Pferdewirtin zu machen, die sie im Jahr 2008 erfolgreich abschloss. Zusätzlich absolvierte sie noch eine weitere Ausbildung und wurde Bürokauffrau mit Abschluss 2013. Die Leidenschaft zum Schreiben blieb. Mittlerweile ist Jennifer Heine Mutter geworden und hat wieder mit dem Schreiben begonnen. The Callie Santas Cronicles ist das Ergebnis ihrer neu entflammten Freude am geschriebenen Wort.

Zum Inhalt:

Callie weiß nicht genau, warum der Wald plötzlich so eine enorme Anziehungskraft auf sie hat. Aber eines weiß sie ganz sicher: Es muss etwas mit dem College zu tun haben, das sie seit dem Umzug in die Black Hills besucht.

Callie spürt, dass ihre Mitschüler irgendwas vor ihr verbergen. Schon bald findet sie heraus, was es ist und erwacht in einer neuen Welt, umgeben von Lügen und Intrigen. Und dann ist da noch Samuel, der charismatische und gut aussehende Brooks-Sohn, dem sie gleich am ersten Tag ihr Herz geschenkt hat. Doch inwieweit ist er in alles verwickelt und wieso hat plötzlich Noah, Sams Bruder, so ein reges Interesse an ihr? Als Callie bewusst wird, dass durch ihn Gefahr droht, ist es leider schon zu spät … Gemeinsam mit ihren Freunden versucht Callie alles, die zu retten, die sie liebt. Doch welchen Preis muss sie dafür bezahlen?

Ein Teenagerroman, der auch älteren Leserinnen gefällt.

Ein Teenagerroman, der auch älteren Leserinnen gefällt.Jennifer Heine

„The Callie Santas Chronicles – Alphablut“

Format 12,7 x 20,3 cm
376 Seiten
ISBN 978-3-945433-27-0

14,90 €
Erscheinungstermin: 11. März 2015

 

Meine Bewertung: ***** 5 Sterne

 

Das Buch ist nicht nur gut zu lesen, sondern auch in guter Papierqualität, was für ein Taschenbuch ungewöhnlich ist. Das Cover passt allerdings kaum zum Inhalt, weil es eine sehr düstere Stimmung vermittelt.  Die Story ist schlüssig und nachvollziehbar, die Schreibe sehr lebendig.

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„Settergeschichten“ von Lothar Schmöckel: Nicht nur für Setter- und Hundefreunde ein tolles Buch

settergeschichtenNoch bevor das Buch über die Ladentheken der Buchhandlungen geht, hatte ich die Gelegenheit, Lothar Schmöckels „Settergeschichten – Von englischen Lords, Rabauken und besten Freunden“ in die Hand zu nehmen, darin zu blättern und die in sich abgeschlossenen Geschichten zu lesen. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe mich in dieses Buch verliebt. Nicht nur, weil ich Hunde mag, sondern weil diese Publikation in die Kategorie „Besonders schöne Bücher“ einzuordnen ist.

Lothar Schmöckel sagt zu seiner Profession als Autor: „Ich kam zum Schreiben wie die Jungfrau zum Kind, pardon, natürlich der Mensch zum Setter.“ Inspiriert durch die Abenteuer mit seinem Hund Zas fing er an, sie zu kurzweiligen, erfrischenden Geschichten mit viel Esprit zu verfassen. Seine Freunde und Bekannte hatten sich bereits bei seinen Erzählungen köstlich amüsiert. Nun ist ein Buch mit dem Titel „Settergeschichten“ daraus entstanden, aufwändig verarbeitet und wunderschön illustriert mit Fotos und Zeichnungen.

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Lothar Schmöckel, Autor der „Settergeschichten“

 

Auf 160 Seiten, als Hardcover gebunden mit witzigen Geschichten, stimmungsvollen Fotografien und farbigen Zeichnungen findet der Leser eine Lektüre, die alle Sinne berührt: Herz, Augen, Hirn und Fingerkuppen. Es ist ein Buch, das Wärme ausstrahlt und nicht nur dem Hundefreund, ähm… der Hundefreundin, den Tag versüßt, wenn er/sie es in die Hand nimmt.

Zugegeben, als Bettlektüre sind die „Settergeschichten“ ein bisschen schwer, allerdings nur das Gewicht, nicht der Inhalt. Die Geschichten sind so leicht und luftig erzählt, mal aus der Sicht des Herrchens Lothar, mal aus der Sicht des Hundes „Zas“, dass sie den Alltagsstress vergessen lassen. Sie sind kurz, so dass Leser und Leserin beim Schmökern im Bett nicht die Arme abfallen, um eine Erzählung bis zu Ende zu lesen.

„Zas“ stammt aus dem Katalanischen und heißt  „Knall“ oder „Schuss“, insofern wird das Buch als echter Knaller der Bedeutung des Hundenamens gerecht.

Meine Bewertung: *** (3 Sterne: sehr schöne Geschichten, aber etwas hausbackenes Layout ohne Pfiff)

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Settergeschichten – Leseprobe 2 (in die Grafik klicken).

Lothar Schmöckel
„Settergeschichten – Von englischen Lords, Rabauken und besten Freunden“
Format 20,8 x 26 cm, 164 Seiten
Hardcover + eBook
ISBN 978-3-945433-12-6
24,90€
Erstausgabe
Erscheinungstermin: Anfang März 2015

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„Hilfe ich brauche eine Kur“ – ein Ratgeber für gestresste Mütter von Sandra-Maria Erdmann

Mutter-Kind-Kur für gestresste Mütter

Für eine gestresste Mutter kann eine Mutter-Kind-Kur sehr hilfreich sein. Foto: pixabay.com

Das Müttergenesungswerk mit dem Angebot von Mutter-Kind-Kuren ist eine segensreiche Einrichtung, denn es ermöglicht gestressten Müttern (und auch Vätern) nicht nur Kraft zu tanken und gemeinsam mit ihren Kindern – die möglicherweise selbst kurbedürftig sind – eine schöne Zeit zu verbringen. Mutter-Kind-Kuren sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und tragen dazu bei, den Alltag mit Familie, Berufstätigkeit und allem, was ein Haushalt mit Kindern an täglichen Aufregungen bietet, zu meistern.

Die Autorin Sandra-Maria Erdmann hat mit ihrem Ratgeber „Hilfe, ich brauche eine Kur!“ auf 360 Seiten detailliert und vor allem verständlich und übersichtlich beschrieben, was es zu beachten gilt, wenn erstmals eine Mutter-Kind-Kur beantragt werden soll. Der Inhalt ist authentisch, denn die Mutter von drei Kindern weiß, wovon sie schreibt. Sie hat selbst alle Phasen von der Planung bis zum Ausfüllen des Antrags und zur aktiven Mitgestaltung der Kur selbst erlebt. Sie verliert sich nicht in Phrasen und Allgemeinplätzen, sondern redet „Tacheles“ und das auf eine höchst unterhaltsame Weise.

Ein Heidenspaß bei den Tagebucheinträgen einer gestressten Mutter
Sowohl Männer als auch Frauen werden einen Heidenspaß haben, wenn sie die Einträge aus dem Tagebuch einer gestressten Mutter lesen. Jene, die sich gerade in einer vergleichbaren Phase befinden, werden Situationen und Emotionen wiedererkennen, die sie fast genauso erleben und ähnliche Empfindungen wie die Autorin haben. Insofern ist der Ratgeber von Sandra Maria Erdmann auch ein Seelentröster für all die Frauen, die meinen, sie entsprächen nicht dem Idealbild der taffen, immer gepflegt aussehenden Supermutter, die alles im Griff hat.

Fünf Kapitel mit viel Inhalt
In fünf Kapiteln hat Sandra-Maria Erdmann alle wichtigen Details zusammengefasst: Die Planung, wie man eine Kur beantragt, medizinische Anwendungen und Alternativen zur aktiven Mitgestaltung, spezielle Schwerpunktkuren (wobei auch die Vater-Kind-Kur eine wesentliche Rolle spielt) und was man tun kann, um nach der Kur nicht gleich wieder in den alten Trott zu verfallen und sich stressen zu lassen. Zwischen den Seiten haben Leserinnen und Leser Gelegenheit, sich auf eingefügten Zeilen eigene Notizen zu machen.

Welche Kurklinik oder welches Kurhaus – See oder Mittelgebirge?
Die Autorin stellt auch eine ganze Reihe von Kurkliniken und Kurhäusern vor, beschreibt das, was sie voneinander entscheidet und wo Kinder mit einer chronischen Erkrankung wie Neurodermitis, Asthma, einer Stoffwechselerkrankung oder einem anderen Handicap eine ihrem Leiden entsprechende Behandlung erhalten.
Alles in allem ist „Hilfe, ich brauche eine Kur!“ das, was ein Ratgeber bieten soll: Tipps mit Hand und Fuß, nahezu alle Bereiche berücksichtigend und im besten Sinne authentisch, übersichtlich und gut gegliedert. Außerdem noch flott und witzig geschrieben, was dazu anregt, das Buch mal zwischendurch in die Hand zu nehmen und das ein oder andere nachzulesen, auch wenn man aktuell keine Mutter-(Vater)-Kind-Kur plant.

Dafür gebe ich ***** (5 Sterne)

Als Paperback in der Printausgabe kostet „Hilfe ich brauche eine Kur!“ 11,95 Euro, als kindle E-Book 6,99 Euro
Es ist 2014 erschienen im Fant Verlag unter der
ISBN 978-3-943710-52-6

 

Die Autorin Sanra-Maria Erdmann

Sandra -Maria Erdmann wurde 1980 geboren, ist Mutter von drei Kindern, aufgewachsen am Rand des Spreewaldes und nach dem Abitur ins Ruhrgebiet gezogen. Dort absolvierte sie eine Ausbildung zur Fachfrau für Systemgastronomie und arbeitete anschließend als Restaurant-Assistentin bei einem bekannten Fast-Food-Unternehmen. Doch diese Tätigkeit übte sie nicht lange aus, zog der Liebe wegen ins Sauerland, lebt dort mit Mann, drei Kindern, einer Katze und fünfzehn Wachteln. Seit 2008 schreibt sie als Online-Autorin für verschiedene Magazine im Bereich Partnerschaft und Familie, arbeitet als freie Texterin und betreibt auch eigene Blogs zu den Themen Familie, Freizeit und akute Chaosbewältigung.

 

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Witzig-spritziges Lokalkolorit: Dietrich Faber und sein erster Vogelsberg-Krimi

Provinzkrimis sind seit einigen Jahren der große Renner auf dem Buchmarkt. Niederbayern (Rita Falk), Allgäu (Kobr/Klüpfel), Eifel (Jaques Berndorf), Taunus (Nele Neuhaus) und andere Regionen haben durch umtriebige Autoren an Bekanntheit gewonnen. Nun ist auch der Vogelsberg als mörderisches Terrain entdeckt worden und zwar von einem Kabarettisten. Dietrich Faber ist schon aufgrund seiner (klein-)künstlerischen Tätigkeit ein Meister des Wortwitzes, den er zusammen mit seinem Partner Martin Guth als Kabarettduo FaberhaftGuth erfolgreich umgesetzt hat. So glänzt er in seinem Debüt-Krimi mit blumenreicher Sprache und spritzigen Pointen. Seine Beschreibungen von Personen und Situationen sind so treffend, dass man sich als Beobachter mittendrin in der Handlung wähnt. Das geht ein bisschen auf Kosten der Spannung. Der Vogelsbergkrimi „Toter geht’s nicht“ mit seinem Protagonisten Henning Bröhmann als ermittelnder Hauptkommissar verursacht deutlich weniger Gänsehaut als Schmunzelfältchen.

Mischung zwischen leicht trottelig und nassforsch
Bröhmann ist eine Mischung aus dem etwas trotteligen Kluftinger nach Kobr-Klüpfel-Machart und dem nassforschen Eberhofer aus Rita Falks Ergüssen über Morde in der niederbayerischen Provinz. Eines hat Bröhmann mit beiden Ermittlern gemeinsam: Er ist eher ein Antiheld, der sich selbst als „Memme“ bezeichnet. Mit sich, seinen Beziehungskisten, familiären Problemen und allerhand sonstiger Unbill hätte er eigentlich schon genug zu tun, und die Aufklärung eines Mordfalls ist aus Sicht des Lesers (der in die Rolle des ermittelnden Kommissars schlüpft) mit einer lästigen Zahnschmerzattacke gleichzusetzen.

Dort, wo der größte Vulkan Mitteleuropas spie
Der Vogelsberg als Schauplatz kriminalistischer Agitation hat wirklich viel zu bieten, denn er verfügt über rustikal-romantische Schönheit. Faber schreibt von einem Mittelgebirge, wo der Wind kräftig pfeift und das auch sonst als „mittelmäßig“ zu bezeichnen ist. Deshalb – so meint er – verbringt kaum jemand hier seinen Jahresurlaub, macht höchstens mal einen Ausflug dorthin, wo einst der größte Vulkan Mitteleuropas Lava spie. Dann kommt sie doch noch, die Liebeserklärung:

„Nur eines tut er sicher nicht mehr, der Vogelsberg:ausbrechen. Das hat der erloschene Vulkan mit seinen heutigen Bewohnern gemein. Er weiß, was er an sich hat. Das gefällt mir so. Die weite, raue, unaufgeregte und manchmal karge Landschaft genügt sich selbst und braucht keine modernistischen Veränderungen und erst recht keine Ausbrüche.“

Der Mord bei einem Faschingsumzug in Nidda und die Konfrontation mit einer schlüpfrig-dumpfen Kultur, die sich just in der fünften Jahreszeit zur vollen Blüte entfaltet, wo Gassenhauer wie „Lass uns fummeln, Pummel!“ aus allen Rohren tönen, lassen den Kabarettisten hinter dem Krimiautor hervorblitzen. Genau um diesen Gassenhauer dreht sich dann auch der Plot. Insgesamt gibt es zwei Morde, wovon einer den vermeintlichen Täter schon frühzeitig erahnen lässt. Die Auflösung des weiteren Tötungsdelikts kommt dann etwas überraschend. Dass dabei auch noch ein paar Ungereimtheiten offen bleiben (Phänomenal: Internetzugang und Mobilfunknetz auf einer Berghütte hoch in den Schweizer Alpen!), ist eher nebensächlich und vernachlässigbar.

Flott und witzig geschrieben
Alles in allem ein recht witzig und flott geschriebener Provinzkrimi und als leichte Bettlektüre sehr zu empfehlen. Für Krimifreunde mit Hang zu knisternder Spannung, ätzenden Bösewichten und coolen Ermittlern aber eher ungeeignet. Die müssen sich dann eher in die Seiten blutrünstiger skandinavischer Schriftsteller wie Jo Nesbø vertiefen.

Die Euphorie, die jene Edelfedern von FAZ und Frankfurter Rundschau in ihren Rezensionen verströmen, kann ich nicht uneingeschränkt teilen. Dafür ist die Geschichte nicht rund genug. Es ist ein Debüt, als solches muss man Bröhmanns ersten Fall auch sehen. Als Erstlingswerk ist es gelungen. Der Unterhaltungswert ist hoch, die Spannung eher mäßig. Möglicherweise hat sich Faber in seinen Nachfolgeromanen steigern können.

Für „Toter geht’s nicht“ gebe ich *** (3 Sterne)

Dietrich Faber: Toter geht’s nicht ist im Rowohlt-Verlag erschienen, hat 304 Seiten und kostet sowohl als Taschenbuch als auch als E-Book 8,99 Euro. Fürs Hörbuch als Download muss man 13 Euro zahlen.

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