Witzig-spritziges Lokalkolorit: Dietrich Faber und sein erster Vogelsberg-Krimi

Provinzkrimis sind seit einigen Jahren der große Renner auf dem Buchmarkt. Niederbayern (Rita Falk), Allgäu (Kobr/Klüpfel), Eifel (Jaques Berndorf), Taunus (Nele Neuhaus) und andere Regionen haben durch umtriebige Autoren an Bekanntheit gewonnen. Nun ist auch der Vogelsberg als mörderisches Terrain entdeckt worden und zwar von einem Kabarettisten. Dietrich Faber ist schon aufgrund seiner (klein-)künstlerischen Tätigkeit ein Meister des Wortwitzes, den er zusammen mit seinem Partner Martin Guth als Kabarettduo FaberhaftGuth erfolgreich umgesetzt hat. So glänzt er in seinem Debüt-Krimi mit blumenreicher Sprache und spritzigen Pointen. Seine Beschreibungen von Personen und Situationen sind so treffend, dass man sich als Beobachter mittendrin in der Handlung wähnt. Das geht ein bisschen auf Kosten der Spannung. Der Vogelsbergkrimi „Toter geht’s nicht“ mit seinem Protagonisten Henning Bröhmann als ermittelnder Hauptkommissar verursacht deutlich weniger Gänsehaut als Schmunzelfältchen.

Mischung zwischen leicht trottelig und nassforsch
Bröhmann ist eine Mischung aus dem etwas trotteligen Kluftinger nach Kobr-Klüpfel-Machart und dem nassforschen Eberhofer aus Rita Falks Ergüssen über Morde in der niederbayerischen Provinz. Eines hat Bröhmann mit beiden Ermittlern gemeinsam: Er ist eher ein Antiheld, der sich selbst als „Memme“ bezeichnet. Mit sich, seinen Beziehungskisten, familiären Problemen und allerhand sonstiger Unbill hätte er eigentlich schon genug zu tun, und die Aufklärung eines Mordfalls ist aus Sicht des Lesers (der in die Rolle des ermittelnden Kommissars schlüpft) mit einer lästigen Zahnschmerzattacke gleichzusetzen.

Dort, wo der größte Vulkan Mitteleuropas spie
Der Vogelsberg als Schauplatz kriminalistischer Agitation hat wirklich viel zu bieten, denn er verfügt über rustikal-romantische Schönheit. Faber schreibt von einem Mittelgebirge, wo der Wind kräftig pfeift und das auch sonst als „mittelmäßig“ zu bezeichnen ist. Deshalb – so meint er – verbringt kaum jemand hier seinen Jahresurlaub, macht höchstens mal einen Ausflug dorthin, wo einst der größte Vulkan Mitteleuropas Lava spie. Dann kommt sie doch noch, die Liebeserklärung:

„Nur eines tut er sicher nicht mehr, der Vogelsberg:ausbrechen. Das hat der erloschene Vulkan mit seinen heutigen Bewohnern gemein. Er weiß, was er an sich hat. Das gefällt mir so. Die weite, raue, unaufgeregte und manchmal karge Landschaft genügt sich selbst und braucht keine modernistischen Veränderungen und erst recht keine Ausbrüche.“

Der Mord bei einem Faschingsumzug in Nidda und die Konfrontation mit einer schlüpfrig-dumpfen Kultur, die sich just in der fünften Jahreszeit zur vollen Blüte entfaltet, wo Gassenhauer wie „Lass uns fummeln, Pummel!“ aus allen Rohren tönen, lassen den Kabarettisten hinter dem Krimiautor hervorblitzen. Genau um diesen Gassenhauer dreht sich dann auch der Plot. Insgesamt gibt es zwei Morde, wovon einer den vermeintlichen Täter schon frühzeitig erahnen lässt. Die Auflösung des weiteren Tötungsdelikts kommt dann etwas überraschend. Dass dabei auch noch ein paar Ungereimtheiten offen bleiben (Phänomenal: Internetzugang und Mobilfunknetz auf einer Berghütte hoch in den Schweizer Alpen!), ist eher nebensächlich und vernachlässigbar.

Flott und witzig geschrieben
Alles in allem ein recht witzig und flott geschriebener Provinzkrimi und als leichte Bettlektüre sehr zu empfehlen. Für Krimifreunde mit Hang zu knisternder Spannung, ätzenden Bösewichten und coolen Ermittlern aber eher ungeeignet. Die müssen sich dann eher in die Seiten blutrünstiger skandinavischer Schriftsteller wie Jo Nesbø vertiefen.

Die Euphorie, die jene Edelfedern von FAZ und Frankfurter Rundschau in ihren Rezensionen verströmen, kann ich nicht uneingeschränkt teilen. Dafür ist die Geschichte nicht rund genug. Es ist ein Debüt, als solches muss man Bröhmanns ersten Fall auch sehen. Als Erstlingswerk ist es gelungen. Der Unterhaltungswert ist hoch, die Spannung eher mäßig. Möglicherweise hat sich Faber in seinen Nachfolgeromanen steigern können.

Für „Toter geht’s nicht“ gebe ich *** (3 Sterne)

Dietrich Faber: Toter geht’s nicht ist im Rowohlt-Verlag erschienen, hat 304 Seiten und kostet sowohl als Taschenbuch als auch als E-Book 8,99 Euro. Fürs Hörbuch als Download muss man 13 Euro zahlen.

Über Ruth Weitz

Freie Journalistin, Autorin und Texterin
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