Mein Sommerwind: Berührende Gedichte mit Noten

Wie kommt es, dass ein Mann, der 41 Jahre als hochrangiger Offizier bei der Bundewehr seinen Dienst geleistet hat, romantische Liebesgedichte schreibt und sie auch noch vertont? Diese Frage stellt sich zwangsläufig, wenn man das Buch „Mein Sommerwind…“ von Harald Schlieder in die Hand nimmt und darin blättert. Der Oberst a.D., der seit seiner Pensionierung im Jahr 2004 in Miltenberg lebt, ist ganz anders, als man sich einen Soldaten vorstellt. Er plaudert charmant, schwärmt von Musik, Theater und Literatur. Er gibt sich weder militärisch zackig, noch wirkt sein Äußeres martialisch. Auf den ersten Blick würde man ihn der Berufskategorie Lehrer oder Verwaltungsbeamter zuordnen.

Ehemaliger Offizier und Schöngeist

Harald Schlieder

Keine Frage, Harald Schlieder ist ein Schöngeist und vielseitig interessiert. Seit seiner Pensionierung hat er eine ganze Reihe von Büchern geschrieben, vorwiegend im Eigenverlag oder als „Book on demand“. Er hat das Leben seines Vaters und seines Großvaters aufbereitet und seine Zeit als Soldat unter dem Buchtitel „Kommando zurück“ zusammengefasst. Er hat ein Märchenbuch für Erwachsene geschrieben, Advents- und Weihnachtsgeschichten aus seiner Kindheit gesammelt und veröffentlicht. Daneben hat er sich auch näher mit seiner Heimatstadt Miltenberg befasst, den Blick von der Haagaussicht näher beleuchtet und war Co-Autor der Anthologie „Literarische Streifzüge“, die zur 775-Jahr-Feier der Stadt herausgegeben wurde. Weiterhin hat er sich auch mit gesellschaftskritischen Themen befasst, die er gebündelt und veröffentlicht hat: „So nicht! Wie sich Deutschland momentan wieder selbst ruiniert – Aktuelle Herausforderungen in unserem Lande“.

In vielen Teilen Europas zuhause
Harald Schlieder wurde zwar nicht in Miltenberg geboren, hat aber dort seine Kindheit verbracht, bevor er – bedingt durch den Beruf seines Vaters – in vielen Teilen Deutschlands und Europas zuhause war. Ende der 50er Jahre und zu Beginn der 60er Jahre eher eine Seltenheit. Der Begriff „Globalisierung“ war damals noch völlig unbekannt. Hier schließt sich der Kreis vom Schöngeist zur militärischen Laufbahn. Harald Schlieders Vater war ein hoch talentierter Musiker, Kapellmeister und Chorleiter, der in Dresden an der Hochschule für Musik studiert hatte.

Neue Heimat in Miltenberg
Wie nahezu alle Männer zur Zeit des Hitlerregimes wurde er zum Militär eingezogen und als Offizier im Russlandfeldzug eingesetzt. Nach dem Krieg hatte es Harald Schlieders Vater nach Weilbach verschlagen; dort hielt er sich zunächst mit Orgelspiel und Fahrradflicken mehr schlecht als recht über Wasser. Später lernte er das nahe gelegene Miltenberg kennen, wo er anfangs als Treuhänder und Dolmetscher bei den Amerikanern arbeitete. Es war ihm gelungen, für seine Frau und den noch ihm Krieg geborenen Sohn einen Zuzugsgenehmigung zu erhalten. Beide hatten im Februar 1945 das Bombeninferno in Dresden überlebt. 1946 baute er dann ein Häuschen in Miltenberg. Nach Gründung der Bundeswehr Mitte der 50er Jahre entschloss sich der gelernte Musiker zur Offizierslaufbahn. „Das Reisen, das Kennenlernen anderer Länder und Kulturen, das Lernen anderer Sprache, das hat mich fasziniert“, berichtet Harald Schlieder, der insgesamt sieben Fremdsprachen gelernt hat und die letzten Jahre seiner Schulzeit in Paris verbracht hat.

Die Leidenschaft fürs Reisen entdeckt
„Das wollte ich auch, das Reisen“, erklärt er seinen Entschluss, nach der Schule zur Bundeswehr zu gehen und eine Offizierslaufbahn einzuschlagen. Die Musik hat ihn aber seit jeher begleitet, denn sein Vater hatte ihm das Notenlesen und Klavierspielen beigebracht. Bis zu seiner Pensionierung hatte Harald Schlieder allerdings wenig Gelegenheit, dieses Talent zu pflegen. sommerwindsommerwind Die Idee zu dem Bildband „Mein Sommerwind…“ schwelte schon seit einigen Jahren. „Bereits 2009 hatte ich den ersten Teil des Buches fertig“, berichtet er. Die meisten Fotos stammen aus dem eigenen Garten, aber es gibt einige Bilder, die er beim Spaziergang oder bei einer Reise zu einem früheren Domizil der Schlieders in Italien mit der Linse eingefangen hat. Die Fotos sind sorgfältig ausgesucht und fangen die Stimmung auf, die in den Versen zum Ausdruck kommen. Die Leidenschaft seines Vaters, kleine Lieder zu besonderen Anlässen zu schreiben und Gedichte zu vertonen, hat Harald Schlieder erst später inspiriert, seinen Gedichten eine Musik zuzuordnen.

buchcover Mein Sommerwind

Mein Sommerwind – Gedichte, Bilder, Melodien

Harald Schlieder hat Melodien für Klavier und Sopran komponiert, die zart und warm wie ein Sommerwind klingen und eine musikalische Ergänzung zu den Liebesgedichten und Bildern sind. „Du bist ein Feld von bunten Sommerblumen/Und ich der Wind/Der in dir weht…“ lautet eines seiner kürzeren Gedichte. Passend dazu wird der Blick des Lesers auf ein Bild mit bunten Sommerblumen gelenkt. Im zweiten Teil finden sich die Noten zu den Texten, die Harald Schlieder mit dem Rat der Miltenberger Pianistin und Musikpädagogin Sylvia Ackermann optimiert und mit Hilfe eines Musiknotationsprogramms lesbar zu Papier gebracht hat. Der Bildband umfasst 14 Gedichte mit dazu passenden Fotografien und Vertonung auf rund 70 Seiten, ergänzt mit einer Inhaltsangabe, einer knappen Zusammenfassung von Harald Schlieders Vita und einer Auflistung seiner bisher veröffentlichten Werke.

Erschienen ist der Band im Shaker Media -Verlag mit der ISBN-Nummer 978-3-95631-132-1 und zum Preis von 11,90 Euro über jede Buchhandlung zu beziehen.

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Harald Schlieder am Klavier

Zur Person
Harald Schlieder wurde am 5. September 1944 in Cosel (Oberschlesien) geboren und verbrachte seine Kindheit nach Vertreibung und Flucht in Miltenberg am Main. Er besuchte zunächst das Gymnasium mit Oberrealschule in Miltenberg, wechselte dann, bedingt durch den Beruf seines Vaters als Bundeswehroffizier, an die Oberrealschule nach Oberstdorf und später an ein französisches Lyceé (Gymnasium) bei Paris, in dem er 1963 sein internationales Baccalauréat, das Abiturzeugnis, erhielt . Seine Offiziersausbildung begann er noch im selben Jahr und ging 2004 als Oberst in Pension. Im Jahr 1978 heiratete er seine Frau Bärbel. Das Paar hat zwei Töchter, Barbara und Sylvia. Seit seiner Pensionierung lebt Harald Schlieder mit seiner Frau in Miltenberg im Haus seiner Eltern, das er aufwendig saniert und renoviert hat. Seine Hobbys sind Fremdsprachen, Gartenarbeit, Klavierspielen, Lesen, Reisen und Schreiben.

Über Ruth Weitz

Freie Journalistin, Autorin und Texterin
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